16.12.2014

# 24 (ooc)

Ich habe lange gesucht, um für Gelasia einen neuen Wirkungsort zu finden. Dennoch konnte mich nichts endgültig überzeugen, das meinen persönlichen Wünschen und Vorstellungen für das Setting als auch für die angestrebte Weiterentwicklung der Rolle Gelasia entgegen gekommen wäre. Die Sklavin mit der berühmt-berüchtigten Hakennase hat somit einen verdienten Platz im Rollen-Archiv erhalten.

Wie geht es weiter? Wie man sieht, hat sich bereits die Aufmachung des Blogs ein wenig verändert. In diesem Zusammenhang werde ich auch die Blogadresse in Kürze einmalig in eine allgemein klingendere umwandeln. Für meine weiteren RP-Planungen konnte mich in den letzten Tagen ein anderes Setting neugierig genug machen: die Bäreninsel, Sitz des Hauses Mormont. Diese wird zur Zeit von mir bekannten Spielern über Gruppen, Blogs, aber auch im persönlichen Gespräch häufig empfohlen. Und einen der Gründe dafür kann ich sehr gut verstehen. Denn selbst wer sich mit einem Setting, das sich von Game of Thrones inspirieren lässt, inhaltlich nicht anfreunden kann, wird sich von der gestalterischen Leistung der Bäreninsel sicherlich genauso begeistern lassen können wie ich.



11.12.2014

# 23

Sie würde Victoria eine sehr lange Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ganz sicher sogar nie wieder. Gelasia atmete tief ein. So tief, dass sie mit dem anschließenden langen Seufzer den dicken Kloß im Hals einfach wegatmete. Nach einem resoluten Ruck, um die Schultern zurück zu straffen, stürzte sie sich auf die verbleibenden Vorbereitungen ihrer Abreise, um noch ausreichend Zeit für einen letzten Rundgang durch den Ludus und 'ihre' Stadt zu haben.


Ein allerletztes Mal erledigte sie alle anfallenden Aufgaben in der Küche, die ihr seit ihrer damaligen Ankunft im Ludus so lieb und teuer geworden war. Im Vergleich zur Küche ihres früheren Besitzers, die nicht mehr als eine klägliche Feuerstelle in einer Raumecke dargestellte hatte, war die Crispus'sche purer Luxus gewesen. Die Lebensmittel, die ihr hier zur Verfügung gestanden hatten, damit sie ihre Köstlichkeiten zaubern konnte, waren ihr immer wie Schätze aus einer anderen Welt erschienen. Ein Schlaraffenland. Was natürlich nicht von ungefähr hergerührt hatte, denn neben der Verköstigung der Gladiatoren, die gesund und kräftig sein sollten, waren die Erwartungen ihre Herrschaften und deren Gäste - ob diese nun zu einem privaten Besuch oder zu einer der vielen Schaukampfveranstaltungen erschienen waren - an exquisite Gaumenfreuden immens hoch gewesen. Diese wiederum hatten nicht nur Zungen, sondern auch viele Schnüre gelockert, die so nur für kurze Zeit gut gefüllte Geldbeutel zusammen hielten, damit die darin ruhenden schweren Münzen bei Wetten und Verkäufen in hoher Zahl die Besitzer wechselten. Jeden Tag, den sie Teil dieses Reichtums sein durfte, hatte sie wahrlich zu schätzen gelernt.

Nachdem sie ihre Wegzehrung vorbereitet und gut verpackt hatte, hielt sie einen Moment inne. Mit in die Hüften gestemmten Fäusten sah sie sich noch einmal um. Ob sie eine solche Küche jemals wieder zu Gesicht bekäme, war eher unwahrscheinlich, und sie wollte sich dieses Bild als eine Erinnerung in ihr Gedächtnis brennen. Ihre Hand strich noch einmal über die graue Steinplatte, die ihr häufigster Arbeitsplatz gewesen war. Ihr Blick schien entrückt, dann aber klopfte sie zweimal sanft mit ihrer Hand auf die Steinfläche, wie um sich selbst aus der Träumerei heraus zu reissen, und begab sich nach oben.


Die letzte Wäsche, die noch zum Trocknen in den Sonnen dampfte, musste abgenommen werden. Sie wollte gerade schon das erste Textilstück in den Korb pfeffern, als sie sich an das letzte Gespräch erinnerte, das sich hier neben der Wäscheleine zugetragen hatte. Damals hatte sie zufällig eine Unterhaltung ihrer Herrin Lucia und des Heilers Lomerus mitbekommen, und dabei erfahren, dass dieser wohl mehr als nur ein geschäftliches Interesse an Lucia hatte. Er hatte Lucia ein Angebot gemacht, dass Gelasia damals durchaus für anfechtbar gehalten hatte. Unglücklicherweise lag es in Gelasias Natur, dass ihre Gedanken gerne einmal etwas schneller auf ihrer Zunge lagen, als es manchmal gut für sie wäre.


"Was ist an meinem Angebot unmoralisch? Für goreanische wie auch victorianische Verhältnisse bin ich sogar ungemein zurückhaltend, was die Verbreitung meines Samens betrifft", hatte Lomerus sie zurecht gewiesen. Ihr wäre um ein Haar die Kinnlade herunter gefallen, da aber war auch schon ihre Empörung hervor gesprudelt: "Ihr verbreitet Euren Samen? Wie ist das denn zu verstehen? Wollt Ihr meine Herrin schwängern? Und ich dachte, die Gefährtenschaft mit Gaius sei noch nicht einmal beendet worden. Aber wenn es natürlich daran liegen sollte, dass.... ". Sie hatte dann doch noch bemerkt, dass sie sich sehr weit aus dem Fenster gelehnt hatte und es nicht gewagt, ihre Gedankengänge weiter auszusprechen. Aber Lomerus wäre natürlich nicht Lomerus gewesen, wenn er nicht mit einem breiten Grinsen "Dass was... ?" nachgehakt hätte.

Es war schon peinlich genug gewesen, dass sie sich überhaupt dazu hatte hinreissen lassen, ihrem Unverständnis Luft zu machen. Ihr war nichts eingefallen, diesen Ausfall zu rechtfertigen. Und nach seiner Bemerkung, dass er keine unmoralischen Angebote unterbreite, hatte es Gelasia gedämmert, dass sie vielleicht auf den Holzweg geraten war. Mit hochrot gefärbten Wangen hatte sie damals händeringend gestottert: "Dass... nun... jede Familie braucht einen Nachfolger, oder nicht? Und wenn jetzt Herr Gaius in Rovere bleibt, da könnte er ja nicht... also... Samen... pflanzen. So rein der Distanz wegen. Da kann man es ja nicht so geschickt einrichten, und... und... sucht sich dann eben einen Ersatzgärtner... " Es war nur der späten Stunde und Lomerus' damit einhergehenden Müdigkeit zu verdanken gewesen, dass sie sich nie wieder über die Bepflanzung fremder Gärten unterhalten hatten.



Schnell wischte sie nun die Erinnerung weg, die ihr doch etwas unangenehm war, brachte den Korb nach unten und kümmerte sich um heisses Wasser. Denn vor der Reise stand noch ein Bad an. Schliesslich sank sie langsam in den Zuber und genoss das leichte Plätschern um ihre Schenkel, das ihre paddelnden Füße an der Wasseroberfläche verursachten. Es war das erste und höchstwahrscheinlich auch das letzte Mal, dass sie absolute Ruhe beim Baden hatte und sie keiner stören würde. Sonst hatte sie immer damit rechnen müssen, dass jederzeit ein Gladiator ums Eck stürmen könnte, sie aus dem Zuber zerrte und sich selbst darin wusch. 
Es war eine Wohltat, wenn auch eine zweischneidige. Erinnerungen kreisten in ihrer Gedankenwelt. Nicht immer war es hier unten angenehm gewesen. Doch jetzt vermisste sie die rauen Stimmen und das Waffengeklapper der Gladiatoren, das glockenhelle Lachen der Sklavinnen und die knappen Befehle ihrer Herrschaften. Das Leben in diesen Räumen war wie ausgehaucht. Sie hatten noch so viele Pläne, die nun mit einem Schlag vom Tisch gefegt waren. Gelasia würde kein weiteres Mal dabei mitwirken, dass Tänzerinnen ihre Choreografie für das Liebesfest einstudierten. Nie wieder käme hier ihr berühmt-berüchtigter Schokoladenpudding zum Einsatz, wenn die freien Frauen die Gladiatoren für ihre Wetteinsätze begutachten wollten. Und auch das Puppenspiel, das sie zuerst noch für eine verrückte Idee gehalten hatten, dann aber dennoch in die Tat umsetzen wollten, würde nicht mehr aufgeführt werden. Sie schrubbte sich den Staub und ihre Wehmut vom Leib, stieg in frische Kleider und ließ ihre langen Haare offen liegen, damit sie schneller trocknen konnten.



Anschließend führte sie ihre letzte Inspektion der oberen Räume durch. Alles war blitzblank und in einem perfekten Zustand. Die Kissen waren aufgeschüttelt, die Blumen gegossen, und frisches Obst zierte als Willkommensgruß die Sitzgelegenheiten. Wer auch immer die Geschicke dieses Gebäudes in Zukunft leiten würde, würde sich schon bei der Ankunft behaglich fühlen und in dieser Geste hoffentlich einen Ansporn sehen, dieses Haus in Ehren zu halten. Es war ihr nicht gelungen, dem Boten noch mehr Informationen über die Nachfolger zu entlocken, als dieser sie über die Anweisungen ihrer Herrschaften für Gelasias unerwarteten und unwiderruflichen Umzug instruiert hatte. Nun verblieben nur noch wenige Augenblicke für einen letzten Gang durch Victoria, bevor das Schiff, das im Hafen vor Anker lag, sie auf die Reise in eine unbekannte Zukunft bringen sollte.



Ihr Weg führte sie über den Markt, wo wie eh und je frische Waren aus allen Himmelsrichtungen angeboten wurden. Sie sog die Gerüche ein und überquerte den großen Platz, um noch einmal einen Blick in Victorias Badehaus zu werfen. Um diese Zeit war es noch unbesucht, so dass sie nicht ein Missverständnis riskieren würde, mit einem der Bademädchen verwechselt zu werden. Hier waren oftmals die neuesten Ränke geschmiedet worden, und die Wände schienen ihr diese Geheimnisse in unbekannten Sprachen zuflüstern zu wollen. Bis zum heutigen Tage war es ein Rätsel geblieben, wer sich als der oder die Rädelsführer des Aufstandes in der Unterstadt verantwortlich zeichnete. Die Nachfragen der Bevölkerung waren weniger geworden, und die Gefallenen in Vergessenheit geraten. Die Stadt gierte nach einem neuen Zeitalter. Einem Zeitalter, dem sich auch Gelasia, so musste sie es sich selbst eingestehen, nach und nach nicht mehr verbunden gefühlt hatte.



Sie verließ die Baderäume und steuerte die Curia an. Hier oben konnte sie ihren Blick über Victoria schweifen lassen. All der Schmutz, der ständig von den sich durch die Gassen schiebenden und drängenden Menschenmassen aufgewirbelt wurde, legte sich im Sonnenlicht wie ein glitzernder Goldstaubteppich über die Dächer der Stadt. Es war das letzte Bild, das Gelasia auf ihrem Weg hinaus vor die Stadttore mitnahm.